Ulrichs Werkbank

Der Raspberry Pi als Media Player

12. Februar 2013
von Ulrich Hilger
alle Rechte vorbehalten

 

 

Ein vollwertiger Linux-Rechner, nur so groß wie eine Zigarettenschachtel, geräuschlos und im laufenden Zustand gerade mal 2 Watt Strom verbrauchend. Mit dem Raspberry Pi gibt es das ideale Abspielgerät für Audio und Video.

Andere Geräte, die zu diesem Zweck im Handel angeboten werden, haben ihre Macken. Spielen bestimmte Formate nicht, haben Aussetzer, reagieren empfindlich auf Schwankungen der Netzqualität, sind seltsam bis kaum zu bedienen, folgen keinerlei Standard, sind nicht kompatibel zueinander. Die Liste liesse sich noch fortsetzen.

Mit dem Pi gibt es einen frei programmierbaren, ultra-sparsamen und günstigen Apparat, der die Qualitäten eines Rechners mitbringt und die Nachteile der klassischen Bauform des PC hinter sich läßt. Dieser Beitrag beschäftigt sich damit, wie man das kleine Kästchen von einem drahtlos vernetzten Mobilgerät aus dazu bringt, Musik oder Filme abzuspielen.

Ausgangslage und Zielsetzung

Musik und Filme sind via Netzwerk im Zugriff, liegen z.B. auf einer Festplatte im Heimnetz. Ein einfacher URL wie

http://meine.domain.de/Filme/U/Urlaub/Ruegen2012.m4v

macht die Inhalte zugänglich (vgl. dieser Tipp). Das Abspielen einer solchen Quelle über einen an den Fernseher per HDMI angeschlossenen Raspberry Pi soll per Web-Browser von einem anderen Gerät aus zu starten sein. Auch Kommandos während des Abspielens, Pause, Vor- oder Rücklauf, usw. sollen per Browser gelingen.

Grundausstattung

Die Grundvoraussetzungen hat der Pi bereits im Gepäck. Sein Gespann aus CPU und GPU teilen sich die Arbeit beim Dekodieren von Video und erreichen dabei ruckelfrei eine Auflösung von 1080p. Den passenden Abspieler hat das System ebenfalls bereits an Bord denn das auf OpenMAX aufsetzende Programm omxplayer ist nicht nur speziell auf die Nutzung dieser Hardware abgestimmt, es gibt die dekodierten Bild- und Tonsignale auch gleich über die dafür vorgesehenen Ausgänge des Pi an Audioverstärker und Fernseher ab.

Mit der oben erwähnten Quelle sieht das Kommado zum Abspielen mit omxplayer zum Beispiel so aus

omxplayer http://meine.domain.de/Filme/U/Urlaub/Ruegen2012.m4v

Der Raspberry Pi liest den Film per Streaming aus dem Netz und sendet ihn im Vollbild an den Fernseher, was mit diesem Kommando auf der Kommandozeile des Pi auf Anhieb gelingt. Nun muss dieser Steuerbefehl noch per Browser von einem anderen Gerät aus ausführbar werden.

Java und Tomcat installieren

Die Einfachheit des omxplayer ist gleichzeitig auch die Lücke, die es mit ein wenig eigenem Aufwand zu füllen gilt. omxplayer ist ein Kommandozeilenprogramm, was für unsere Zwecke erfordern würde, dass die Bedienung beispielsweise über eine Bluetooth-Tastatur erfolgt. Man müsste den Fernseher einschalten, diesen auf das Ausgangssignal des Pi stellen, sich am Pi anmelden und Kommandos über die Tastatur senden. Das ist zu umständlich.

Bevor der Pi Filme aus dem Netz holen und an den Fernseher reichen kann, muss er für eine einfache Bedienung zum Empfänger für HTTP-Signale werden. Diese Funktion bekommt man geschenkt wenn man Tomcat einsetzt und erhält die Programmierbarkeit mit Java noch obendrein. Die Schritte zur Installation von Tomcat auf dem Raspberry Pi sind im Beitrag Der Raspberry Pi als Server beschrieben.

Fernbedienung

Zur Steuerung des omxplayer per Webbrowser wird auf Tomcat die Webanwendung Pi Remote Control (PiRC) installiert. Sie kann mit dem Deploy-Mechanismus des Tomcat Managers auf den Raspberry Pi übertragen werden.

Liste der Steuerbefehle

Die Browserfernbedienung zeigt ein Menü der Steuerbefehle im Browser an, wenn man den URL 

http://raspberrypi:8080/pirc/ 

aufruft. Dort sind alle möglichen Befehle aufgeführt, ihre Links können per rechter Maustaste einfach herauskopiert und in eigenen Webanwendungen verwendet werden. Damit ist die Fernbedienung per Browser komplett. Die hier beschriebene Steuerlogik kann von jedem anderen Gerät mit Netzanschluß aus genutzt werden, Browser genügt.

Zusätzlich können die HTTP-Steuerbefehle in einer anderen Bedienoberfläche wie z.B. dem Mediacenter verwendet werden.

Fazit

Der Raspberry Pi ist mit geringen Abmessungen, kleinem Preis und konkurrenzlos sparsamem Energieverbrauch ein hervorragender Kandidat für einen vielseitigen und dennoch günstigen Media Player. Als vollwertiger Linux-Rechner verarbeitet er mit Hilfe von Tomcat und etwas Programmierung HTTP-Signale und läßt sich z.B. mit einem netzwerkfähigen Mobilgerät oder einem Laptop einfach per Web-Browser steuern. Der omxplayer nutzt die Hardware des Pi optimal, spielt klaglos und ruckelfrei Filme, Musikstücke oder Webradio im Streamingverfahren indem der URL einer im Netz zugänglichen Video- oder Audio-Quelle per Browserfernbedienung an den Pi übergeben wird.